Geschichte

Sanierungsgeschichte

 

  • Das Haus „Am Weißeweg 23“ Ein unscheinbares Haus im Zentrum von Seifhennersdorf. Foto um 1985
  • Es liegt in der Auenbebauung dicht unterhalb der Kirche. Seit Anfang der 1990er Jahre steht es leer. Foto 2007
  • Ein leerstehendes Haus. Vandalismus zerstört Fenster und verbreitet sich im Innern. Foto 03.05.2010
  • Am 07.08.2010 wurde Seifhennersdorf von einem Jahrhunderthochwasser heimgesucht. Alle Häuser in der Aue standen unter Wasser. Zunächst mussten die Anschwemmungen beseitigt werden. Foto 17.02.2011 In den Jahren nach 1990 gab es viele vergebliche Versuche, das Haus einer Nutzung zuzuführen, Nach diesem Hochwasser, das praktisch den Tod des Hauses bedeuten würde, bildete sich am 13.9.2010. ein Verein, der das Haus retten will.
  • Im Hause hatte das Wasser den Dielenfußboden aufgeschwemmt. Der Ofen in der Stube war abgekippt. Foto 2010.11.21
  • In der Küche der Küchenofen. Er musste abgebaut werden. Foto 2010.11.21
  • Raum 0.4 (Abstellraum): Im Massivteil wurde der Putz abgeschlagen, um die Mauer trockenzulegen. Die Trocknung allerdings dauerte mehrere Jahre. Foto 2011.04.15
  • 15.04.2011 Aller Unrat ist beseitigt. Was wird aus dem Haus? Im Verein wird intensiv beraten. Ein Wohnhaus, ein Ferienhaus, eine Beherbergung auf niedrigem Niveau, ein Museum? Erst langsam verfestigt sich der Gedanke an ein „Schauhaus zur Umgebindebauweise“, nachdem uns die Experten immer wieder gesagt haben, dass ein solches Objekt in der Oberlausitz fehlt. In einer grundsätzlichen Beratung zwischen Verein und Stadtverwaltung, der Oberen und der Unteren Denkmalpflege und der Stiftung Umgebindehaus am 25.8.2011 wurden die Weichen für den Ausbau zum Schauhaus mit allen Konsequenzen (Eigentum, Energie- Wasser- und Abwasserversorgung, Raumprogramm, Qualität der bautechnischen Sanierung, Partnerschaften) gestellt.
  • 07.07.2011, Das Haus wird aufgestelzt. Ein neues Fundament wird gegraben.
  • Foto 30.06.2011
  • Das neue Fundament wird gesetzt. Foto vom 31.07.2011.
  • Die Säulen werden angeschuht und auf Steinplatten aus Granit gestellt. So kann keine Feuchtigkeit nach oben steigen. Foto vom 21.09.2011
  • Nun werden die unteren, verschlissenen Bohlen erneuert. Foto vom 25.10.2011
  • Die alten Ziegel werden abgenommen und zwischengelagert. Foto am 24.07.2012
  • Neudeckung in Mörtel Foto am 02.10.2012
  • Das fertige Dach, Foto vom 16.03.2017
  • Die alte Biberdeckung wurde abgenommen und zwischengelagert. Um Feuchteschäden zu vermeiden, wird das Haus mit einer weißen Plane abgedeckt. Auf dem Foto ist der Moment festgehalten, als die neu vergoldete Spitze vom Blitzableiter ausgepackt wird. 27.08.2012
  • Von besonderer Bedeutung ist der alte Dachstuhl von 1614. Das südwestliche Giebelsparrenpaar aus der Bauzeit ist in einem sehr schlechten Zustand. Es trägt aber mit Zapfenlöchern und Holznägeln die Befunde eines ehemaligen Schopfdaches. Durch die Hausverlängerung ist es jetzt das vorletzte Sparrenpaar. Die Befunde sind gut sichtbar. Zur Unterstützung des alten, aber sehr wertvollen Sparrenpaares wird ein neues Sparrenpaar danebengelegt. Die Decke ist durch Feuchteschäden und Wurmbefall teilweise abgängig. Sie wurde repariert. Foto vom 28.08.2012
  • Hier das alte Sparrenpaar Nr.8. Unterhalb des Kehlbalkens ist das Zapfenloch für das ehemalige Schopfdach. Ein Befund, der sich auch am Nordostgiebel bestätigte. Inzwischen wurde neu eingelattet. Foto vom 15.09.2012
  • Der Raum 1.1 am 15.09.2012. Die Decke hier war durchgebrochen. Der Lehmschlag wurde hier zwischengelagert. Rechts die alte Dachlattung. Die Fenster sind ausgebaut und werden in der Tischlerwerkstatt repariert. Natürlich musste der Fußboden unterstützt werden, schließlich lasten mehrere Tonnen Gewicht darauf.
  • Das alte linke Hausfenster. Es war holzmäßig in Ordnung und konnte gehalten werden.
  • Die Verbretterung an der Wand wurde abgenommen Darunter wurde eine Blockständerwand sichtbar. Der linke Ständer ist ungewöhnlich mächtig. Ist es ein abgesägter Langständer? Im Laufe der Jahrhunderte gab es viele weitere Veränderungen: Im Oberstock wurde die Oberlaube beseitigt. Der alte Durchgang vom Vorsaal zur Laube (direkt über der Haustür) wurde vermauert.
  • Das Haus am 26.11.2012. Das Dach und die Giebelverbretterung sind fertiggestellt. Das Fachwerk im Oberstock ist freigelegt, damit es repariert werden kann. Nun wird der Massivanbau abgebaut.
  • Beim Abnehmen der Verbretterung am Nordostgiebel wird ein Putzbild sichtbar. Zunächst wird der Putz gesichert. Was ist es gewesen? Das Zusammenziehen der roten Kanten lassen ein Wappen vermuten.
  • Ein Foto vom 19.07.2013 Majestätisch das rekonstruierte Schopfdach. Das Putzbild ist gesichert. Aber die Ausfachung an der rechten Seite ist krümeliger Lehm. Nach der Bauwerksuntersuchung gab es am Giebel nur 2 Fenster. Es wird auf Rückbau entschieden, wobei das verletzte Fachwerk repariert werden soll.
  • 25.07.2014 Das Fachwerk wurde repariert. Die Fenster wurden in der bauzeitlichen Größe eingesetzt. Die Natursteinwand wird mit einem Kalkmörtel und „einer Spitze“ Zement und einheimischen Sand als Baustellenmischung verputzt. Der Putz ist „wandverlaufend“ und grob ausgerieben, so wie es üblich war.
  • 22.08.14 Zum Stadtfest von Seifhennersdorf präsentieren wir das 400jährige Haus
  • Die Stube: Welche Farbfassungen können festgestellt werden? In Suchgräben wurden die Befunde freigelegt. Hier ein Befund von der Decke. Auch die Wände zeigen gleiche Ergebnisse. Es ist ein „Marienblau“, so wie es in den 1830er Jahren in der Oberlausitz üblich war. Der Anstrich war in Kasein gebunden. Foto vom 01.02.2015
  • Foto vom 19.02.2015
  • Die fertige Stube, Foto vom 23.06.2015

 

 

Vereinsgeschichte

„Am Weißeweg 23 e.V.“ nennt sich der Verein, der sich die Sanierung des 400jährigen Umgebindehauses am Weißeweg in Seifhennersdorf vorgenommen hat.

Der bekannte Hausforscher F.DELITZ, der die letzten Jahre seines Lebens im Nachbarhaus (Am Weißeweg 19) wohnte, hatte immer wieder auf „das hohe Alter“ des Hauses hingewiesen. Als dann der Abriss des Hauses beantragt wurde, konnte eine dendrochronologische Untersuchung durchgeführt werden. Mit dem überraschenden Ergebnis, dass das Haus um 1614 errichtet sein muss.

Das Haus stand seit Anfang der 1990er Jahre leer. Ein Kauf durch die Stadt Seifhennersdorf scheiterte, Privatkäufer konnten keine gefunden werden. Schließlich wurden 2010 erste Gespräche zur Gründung eines Vereines geführt.

Als dann am Nachmittag des 7.8.2010 ein gewaltiges Hochwasser Seifhennersdorf heimsuchte, stand das Haus bis an die Fenster im Wasser. Jetzt musste gehandelt werden. Am 13.09.2010 gründeten 12 Freunde des Hauses den ordentlichen und gemeinnützigen Verein „Am Weißeweg 23 e.V.“. Der neue Verein bekam vom Alteigentümer die Vollmacht, Fördergelder aus der Fluthilfe zu beantragen. Nachdem diese bewilligt wurden, konnten noch 2010 die ersten Arbeiten beginnen.

Der angeschwemmte Unrat wurde beseitigt und das Haus beräumt. Die Fenster wurden gegen Vandalismus geschützt. Ab 2011 konnten die Fundamente erneuert und das Umgebinde repariert werden.

Fast ein ganzes Jahr berieten wir im Verein über das Sanierungsziel für das Haus.

  • Sollte es eine Beherbergungsstätte auf niedrigem Standard („Heulager“) werden?
  • Oder ein Ferienhaus im hohen Standard, so wie es erfolgreich in Großschönau praktiziert wird?
  • Ein Wohnhaus?
  • Ein Museum?
  • Könnte es Verbindungen zu anderen touristischen Einrichtungen geben oder könnte es eine Außenstelle anderer touristischer Einrichtungen werden?

Am 25.08.2011 gab es eine Grundsatzberatung mit Vertretern der Denkmalpflege, der Stiftung Umgebindehaus, Vertretern von der „Projektentwicklung Umgebindehaus“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Stadt Seifhennersdorf  mit dem Verein.

Hier wurde zum ersten Mal vom Sanierungsziel „Schauhaus der Umgebindebauweise“ gesprochen. Diesem hohen denkmalpflegerischen Anspruch mussten dann alle weiteren Überlegungen untergeordnet werden.

Jetzt gab es viel Arbeit. Die denkmalpflegerische Zielstellung musste erarbeitet werden. Förderanträge waren zu stellen. Dann mussten die Firmen für diese komplizierte Aufgabenstellung gefunden und gewonnen werden. Was kann der Verein selbst machen?

Wie bringen wir den Bauablauf mit den Fördermöglichkeiten zusammen?

Es wurde eine Sanierung in Etappen. Zwischendurch musste immer wieder das Haus und das Gelände beräumt werden. Endlich, nach 6 Jahren ist ein Abschluss der Bauarbeiten festzuhalten.

Jetzt steht die Aufgabe, das Haus für eine Präsentation als „Schauhaus der Umgebindebauweise“ vorzubereiten. Wir wollen den Besuchern zeigen, wie im Laufe der letzten vier Jahrhunderte gebaut wurde. Mit welchen Technologien wurde gearbeitet?  Welche Materialien wurden eingesetzt? Besonders eindrucksvoll sind die Veränderungen in der Ausmalung  bzw. bei der Bemalung.

Die Präsentation muss überzeugend und eindrucksvoll sein. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg eines  „Schauhauses“. Zur Zeit (2017) arbeiten wir an der Konzeption dazu.

Der Verein bekommt Unterstützung aus den unterschiedlichsten Ebenen in der Gesellschaft.

Eine große Hilfe ist die Unterstützung durch Sponsoren.

Sie unterstützen selbstlos unser Vorhaben, allein die Bewahrung unserer gebauten Vergangenheit und ihre pädagogische Aufbereitung motiviert sie zur Unterstützung. Dafür möchten wir uns auch bedanken.

Aber auch das große Interesse, das sich bei den überwältigenden Besuchen beim Tag des offenen Umgebindehauses zeigt, ist Ansporn weiterzumachen und sich noch intensiver mit dem Haus auseinanderzusetzen.

 

An der Sanierung des Hauses „Am Weißeweg 23“ haben mitgearbeitet:

 

Verein Am Weißeweg 23

Jürgen Cieslak
Familie Nestler
Hannelore Pfaff
Familie Proft

Planung

Cieslak, Katharina; Seifhennersdorf (Architektur)
Wacker, Dr.Ing.habil, Manfred; Hainewalde (Statik)

Baufirmen

Baum, Mario; Spitzkunnersdorf (Zimmerei)
Baumheier, Andreas; „Baumheier Bau GmbH“ (Maurer, Putzer)
Czeczine, Jan; Niederoderwitz (Mauerer, Putzer)
Domschke Matthias; Oderwitz (Tiefbau)
Fünfstück, Gernot; Oderwitz (Blitzschutz)
Glathe, Marco; Seifhennersdorf (Zimmerei)
Görner, Christian; Melaune (Zimmerei)
Hausmann, Ronny; Spitzkunnersdorf (Maler und Restaurator i. H.)
Hoffmann, Lutz; GmbH, Großschönau (Dachdecker)
Jannasch, Jens; GmbH, Oppach (Fußboden, Thermobeton)
Jentsch, Stephan; Seifhennersdorf (Tischler)
Koch, Roland; Seifhennersdorf (Baugeschäft)
Kray, Detlef; Seifhennersdorf (Garten-u. Landschaftsbau)
Mickan, Markus; Demitz-Thumitz (Steinmetz)
Mieth, Matthias; Dürrhennersdorf (Maler u. Restaurator i. H)
Rentsch und Weinrich, GmbH; Neschwitz (Maler u. Restaurator i. H.)
Schenk, Heinz; Ninive, Ruppersdorf (Lehmbau)
Seidel, Steffen; Oppach (Lehmbau)
Sturm, Maik; Seifhennersdorf (Tischler)

Denkmalpflegerische Betreuung

Rosner, Dr. (Landesamt Denkmalpflege)
Noky, Thomas (Landesamt Denkmalpflege)
Marcellino, Steffi (Untere Denkmalbehörde, Zittau)
Matthes, Arnd (Stiftung Umgebindehaus)

Webmaster

Pantze, Samuel; Seifhennersdorf

 

Lage und Geschichte

 

  • Abb.1 Siedlungsentwicklung (nach LANGEN)
  • Abb.2 Die Zittauer Herrschaft um 1600 (KLAPPER). Zahlen geben das Jahr des Übergangs an die Stadt Zittau an.
  • Abb.3 Historische Flureinteilung Seifhennersdorfs (RICHTER) Die typische Flureinteilung eines Waldhufendorfes war in Seifhennersdorf besonders deutlich und erhielt sich in der Grundstruktur bis heute.
  • Abb. 4 Ausschnitt aus einem historischen Katasterplan Unstrukturierte Bebauung in der Mandau-Aue Die Kirche, erhöht auf dem Kirchberg stehend, dominiert die Tallage.
  • Abb.5 Lageplan (CIESLAK-CARRAS) Die Straße „Am Weißeweg“ war Teil der alten Dorfstraße von Seifhennersdorf. Hier entstand vor über 400 Jahren das Haus, das heute die Nr.23 trägt.

 

Die Gründung von Seifhennersdorf erfolgte um das Jahr 1200 durch die Ansiedlung mainfränkischer Kolonisten. Beauftragte des Landesherrn, des Königs von Böhmen, (sogenannte Lokatoren), ließen das Land vermessen und verteilten es an Kolonisten, die hauptsächlich aus Franken kamen. Aus dem Namen von Seifhennersdorf kann man auf einen „Heinrich“ als Lokator schließen. Die ersten Siedlungen lagen hauptsächlich an den Bach- und Flussläufen.

 

Drei Jahrhunderte gehörte nun der Ort zur Herrschaft Tollenstein.
1584 wurde er von der Stadt Zittau gekauft, allein der Ortsteil Oberhennersdorf (heute Horni Jindrichov, ein Stadtteil von Rumburk in Tschechien) blieb in der Herrschaft Tollenstein und damit bis heute böhmisch.

 

 

 

Weitere Informationen…

 

 

Abb.1 aus der Publikation JAHN-LANGEN (1961) Das böhmische Niederland, FDL 117
mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Akademie für Landeskunde e.V., Prof.Wießner
04103 Leipzig, Johannisstr. 19a
Abb.2 aus Dr. KLAPPER, Matthias: Hoferbfolgen und Stammtafeln der Bauernfamilien in
Seifhennersdorf (Oberlausitz).. SR 243 im Buchversand der AMF e.V., Leipzig,
mit freundlicher Genehmigung vom Autor
Abb.3 Johannes Richter, Seifhennersdorf
Abb.4 aus einem historischen Katasterplan
Abb.5 nach einer Zeichnung von CIESLAK-CARRAS in der Bauakte